Wallburg auf dem Weiherberg

Frühmittelalterliche Wallburg („Ungarnwälle“)

Der Wall, der möglicherweise über einer älteren vorgeschichtlichen Befestigung errichtet wurde, setzt am Steilabfall an der Ostseite des Weiherberges an. Ihm ist ein Graben vorgelagert. Die Befestigung steigt in weitem Bogen zum Hochplateau des Weiherberges an und schwingt dann zum Steilabfall an der Westseite des Berges. Dort zieht sie stark verkürzt hangabwärts, um dann als Hangbefestigung gegen Norden auszulaufen. Auf dem Hochplateau des Berges läuft der Graben vor dem mehrere Meter hohen Wall durch eine breite Berme getrennt. Er endet vor einer Walllücke nahe dem Westrand, wohl dem alten Tor. Dem inneren Graben annähernd parallel folgt auf dem Hochplateau ein äußerer Vorwall, dem wiederum ein Graben vorgelagert ist. Das Vorfeld dieses zweiten Grabens ist durch ein regelmäßiges Gitter gegeneinander versetzter Reihen langovaler Gruben geschützt, die ein zusätzliches Annäherungshindernis bildeten. Vorgeschichtliche Scherbenfunde auf dem umwallten Gelände des Weiherberges veranlassten 1938 zu einer Grabung. Bei einem im östlichen Wallteil angelegten Schnitt fand sich Keramik der Urnenfelderzeit (ca. 1.365 - 800 v.Chr.) und der frühen Latènezeit (ca. 500 - 410 v.Chr.). Da beide Komplexe anscheinend klar zu trennen waren, liegt die Annahme von zwei Kulturschichten nahe, die beim Aufschütten des Walles angeschnitten und zerstört wurden. Die gleiche Untersuchung erbrachte auf dem höchsten Punkt des Geländes, in direkter Nähe einer Felsgruppe am östlichen Steilhang des Berges, auf kleiner Fläche einen Brandopferplatz der Urnenfelderzeit. Der Platz ist in zwei Teile gegliedert: der östliche, seine Größe beträgt etwa 2,5 m², war 25-30 cm tief mit urnenfelderzeitlichen Scherben und unverbrannten Tierknochen bedeckt, von denen Rinder- und Schweineknochen sicher bestimmt sind. In den Resten von drei Gefäßen fand sich Emmerweizenbrei als Zeugnis unblutiger Speiseopfer. Eine ebenso große Fläche schloss sich westlich an, sie war mit Asche, Kohle und großen Mengen von stark verbrannten Knochenstückchen bedeckt. Scherben fehlten hier ganz.

Ihrer Form nach gehört die Befestigung auf dem Weiherberg zur Gruppe der sogenannten „Ungarnwälle“, die in Süddeutschland häufiger anzutreffen sind. Es handelt sich dabei um außerordentlich hohe Wallanlagen mit meist mehreren vorgelagerten Gräben. Für Befestigungen diesen Typs sind auch die Reihen gegeneinander versetzter Gruben vor dem äußeren Graben charakteristisch. Derartige Befestigungungen wurden gegen die Reiterscharen der Ungarn an der Wende vom 9. zum 10. Jh. errichtet. Die weit vorgeschobenen Annäherungshindernisse sollten die Reiter dazu zwingen, abzusitzen und im ungewohnten Kampf zu Fuß die Befestigung anzugreifen. Offenbar wurde zur Zeit der Ungarneinfälle auch im Zentrum jener Grundherrschaft, die später der Hürnheimer Familie gehörte, eine solche Befestigung angelegt. Der außerordentlich hohe Wall erforderte eine große Arbeitskraft und zu seiner Erbauung waren zahlreiche Personen nötig. Seine Linienführung zeigt, dass man bemüht war, eine möglichst große Innenfläche zu sichern, die einer größeren Zahl Menschen mit ihrer beweglichen Habe, vor allem dem Vieh, Schutz gewähren konnte. Das gesicherte Areal ist ca. 500 m lang und schwankt in seiner Breite zwischen ca. 250 m und 50 m. Die Ausdehnung dieser Wallburg sowie ihre versteckte Lage im Waldgebirge spricht dafür, dass sie die Zuflucht für die gesamte Grundherrschaft bieten sollte. Vor dem fremden gefährlichen Gegner boten offenbar die älteren Befestigungen für Teilbereiche der Grundherrschft auf der Hagburg und dem Himmelreich bei Holheim nicht mehr ausreichenden Schutz. Zudem konnte die Burg auf dem Weiherberg auch von den weiter südlich gelegenen Besitzungen bequem erreicht werden. So bestätigt die Befestigung die Vermutung einer älteren grundherrschaftlichen Verwaltungseinheit.

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